Die Straße frei für die Zukunft! Der neue Typ 52 „Spree“ bricht alle Rekorde!
Genossinnen und Genossen, Werktätige der sozialistischen Produktion, Triebkräfte des Fortschritts!
Der VEB Berliner Automobil Werke (BAW) vermeldet stolz die erfolgreiche Planerfüllung und präsentiert das neue Glanzstück unserer Hauptstadt-Konstrukteure: den Typ 52 „Spree“.
Geboren aus sozialistischen Ideen markiert dieses Fahrzeug den Beginn einer neuen Ära der Mobilität. Der Typ 52 ist die Antwort auf die gewachsenen Ansprüche unseres Volkes – ein hochmodernes, kraftvolles und langlebiges Automobil, geschmiedet für die Erleichterung des Alltags unserer Brigadeleiter, LPG-Vorsitzenden, Landärzte und jeder werktätigen Familie.
Unverwüstliche Langlebigkeit durch Chemie: Durch die revolutionäre Verschmelzung unseres bewährten Stahl-Leiterrahmens mit einer hochentwickelten, korrosionsfreien Duroplast-Verkleidung sagen wir dem Rost endgültig den Kampf an. Der Typ 52 trotzt jedem Wetter und senkt das Eigengewicht auf sensationelle 567 kg, um wertvolle Rohstoffe unserer Republik einzusparen.
Spitzenleistung bei minimalem Aufwand: Unser gründlich überarbeiteter Dreizylinder-Reihenmotor setzt neue Maßstäbe in Sachen Effizienz. Mit einer gesteigerten Energieausbeute von 20 % verbraucht das Triebwerk gerade einmal 5,54 Liter auf 100 km und beweist, dass eine moderne Höchstgeschwindigkeit von 92 km/h mit absolutem Ressourcen-Geiz vereinbar ist.
Raum und Kraft für den Sozialismus: Ein überragendes Passagier-Volumen von 2170 Litern garantiert höchsten Reisekomfort, während die neu konstruierte Anhängevorrichtung mühelos bis zu 209 kg zieht. Damit bringt der neue „Spree“ die Dynamik auf die Schienen und Straßen, die unser Staat für den endgültigen Sieg des Sozialismus benötigt.
Beantragen Sie Ihren Berechtigungsschein noch heute bei Ihrer zuständigen staatlichen Zuteilungsstelle oder überzeugen Sie sich selbst von der Spitzenqualität auf dem Gemeinschaftsstand der Leipziger Herbstmesse!

Amtliches Typenblatt & Technische Daten
*(Gemäß den Richtlinien der Hauptverwaltung Automobilbau – Stand 1956).
Fahrzeug & Abmessungen
- Hersteller: VEB Berliner Automobil Werke
- Modell: Typ 51 „Spree“ (Bauzeitraum 1956–1962)
- Karosseriebauart: Stahl-Leiterrahmen
- Verkleidung: Duroplast
- Radstand: 2,02 m
- Sitzplätze: 2 vordere Sitze, 2er Fond-Sitzbank
Motorisierung & Effizienz
- Motortyp: 3-Zylinder-Reihenmotor
- Hubraum: 819 ccm (Langhuber: Bohrung 62,5 mm / Hub 65,0 mm)
- Zylinderkopf & Block: Unverwüstlicher Grauguss
- Ventilsteuerung: Untenliegende Nockenwelle, Stoßstangen und Kipphebel (OHV), 2 Ventile pro Zylinder
- Gemischaufbereitung: 1 BVF-Einzelvergaser
- Kraftstoffqualität: Optimiert für heimischen Standard-Kraftstoff (85 RON / VK-Normal)
- Höchstleistung: 13,2 kW / 17,9 PS bei 4.200 U/min
- Max. Drehmoment: 36,3 Nm bei 2.400 U/min
Kraftübertragung & Fahrwerk
- Antrieb: Frontantrieb mit offenem Differenzial
- Getriebe: Unsynchronisiertes 3-Gang-Schaltgetriebe mit robuster Klauenschaltung
- Vorderachse: Einzelradaufhängung
- Hinterachse: Robuste Starrachse an Längs-Blattfedern
- Lenkung: Leichtgängige Kugelumlaufglenkung
- Stoßdämpfer: Hydraulische Zweirohr-Teleskopstoßdämpfer
- Bereifung: Historische Diagonal-Ballonreifen, Format P125/90C13 88J
Bremsanlage
- Bauart: Mechanisch-hydraulische Duplex-Trommelbremsen vorne, Simplex-Trommelbremsen hinten
- Bremstrommel-Durchmesser: 230 mm vorne / 160 mm hinten
- Belagmischung: Verschleißfeste Asbest-Organische Standardbeläge
Gewichte, Füllmengen & Fahrleistungen
- Bremsweg (aus Höchstgeschwindigkeit): 60,8 Meter bis zum Stillstand
- Eigengewicht: 528 kg (betriebsbereit)
- Gewichtsverteilung: 60 % vorne / 40 % hinten
- Norm-Nutzlast: 209 kg (staatlich festgesetzt für optimalen Federungskomfort)
- Höchstgeschwindigkeit: 92 km/h (Dauergeschwindigkeit auf der Autobahn: 75 km/h)
- Kraftstoffverbrauch: 5,54 Liter pro 100 Kilometer

Der deutsche Straßenverkehr – Heft 5 / 1956
Fahrbericht: VEB Berliner Automobil Werke Typ 51 „Spree Standard“
Ein kritischer und konstruktiver Prüfbericht über die neue Duroplast-Generation aus Berlin.
Sechs Jahre nach dem Debüt des ersten Alltagsfahrzeugs aus Berlin schickt der VEB BAW den lang erwarteten Nachfolger auf unsere Straßen: den Typ 51 „Spree“. Die Erwartungen der Kraftfahrer in unserer Republik sind hoch. Kann das neue Modell den technologischen Sprung anführen? Wir haben die neue Berliner Limousine im harten Testalltag erprobt und ihn im direkten Klassenvergleich mit dem neuen Zwickauer Konkurrenten KFZ P70 sowie dem westdeutschen Bürgerauto Hummel auf Herz und Nieren geprüft.
Karosserie und Innenraum: Der Einzug der Chemie
Das auffälligste Merkmal des Typ 51 springt sofort ins Auge: Der Abschied vom Ganzstahl. Um den chronischen Devisen- und Materialmangel bei Tiefziehblechen zu überwinden, setzen die Berliner Konstrukteure nun konsequent auf eine korrosionsfreie Außenhaut aus Duroplast, die auf dem bewährten Stahl-Leiterrahmen ruht. Die Verarbeitung der Kunststoffteile wirkt solide, wenn auch die Spaltmaße produktionsbedingt etwas großzügiger ausfallen als beim westdeutschen Bürgerauto Hummel.
Im Innenraum zeigt sich der Berliner mit 2170 Litern Passagiervolumen erstaunlich luftig. Während die vorderen Sitze langstreckentauglich sind, bleibt die Fondbank trotz des kompakten Radstands von 2,02 Metern für zwei Erwachsene auf Kurzstrecken nutzbar. Hier distanziert der BAW den Zwickauer Konkurrenten KFZ P70, der spürbar enger geschnitten ist. Beim Gepäckraum zeigt sich jedoch das Dilemma der Limousinen-Bauform: Mit 258 Litern Kofferraumvolumen bietet der Typ 51 Standard zwar deutlich mehr Platz als das vordere Gepäcknest der „Hummel“ (wo Tank und Reserverad regieren), verliert aber das interne Duell gegen die eigene Kombi-Variante Universal, die gigantische 1050 Liter schluckt und für Handwerker oder die Großfamilie die weitaus vernünftigere Wahl darstellt.
Motor und Kraftübertragung: Sparsamkeit als oberstes Gebot
Unter der Haube verrichtet ein weiterentwickelter Dreizylinder-Reihenmotor mit 819 ccm Hubraum seinen Dienst. Mit einer Leistung von 17,9 PS (13,2 kW) ist er nominell schwächer auf der Brust als der wilde Zweitakter des KFZ P70 (22 PS) oder der Boxer des Bürgerauto Hummel (30 PS). Dafür entschädigt das Triebwerk durch extreme Genügsamkeit an der Zapfsäule. Dank einer hervorragenden Motor-Effizienz von 19 % begnügt sich der verfeinerte BVF-Vergaser im Test mit nur 5,54 Litern Normalbenzin auf 100 Kilometern (Universal: 5,61 l). Das schont die Geldbörse des Werktätigen spürbar.
Das unsynchronisierte 3-Gang-Schaltgetriebe mit robuster Klauenschaltung erfordert nach wie vor absolute Konzentration und das Beherrschen von Zwischengas und Zwischenkuppeln. Hat man den Gang sauber eingelegt, schiebt der Frontantrieb das extrem leichte Fahrzeug (nur 530 kg Eigengewicht) zügig voran. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h entfällt mangels Erreichbarkeit, doch die ermittelte Höchstgeschwindigkeit von 92 km/h reicht aus, um im Verkehrsfluss mitzuschwimmen. Auf der Autobahn kristallisierte sich eine Marschgeschwindigkeit von 75 km/h als optimal heraus. Wer mehr Dynamik sucht, wird bei der westdeutschen Konkurrenz fündig: Das Bürgerauto Hummel sprintet mühelos über die 110 km/h-Marke, fordert dafür aber auch fast zwei Liter mehr Kraftstoff ein.
Fahrverhalten: Robust im Alltag, Schwächen beim Bremsen
Die Kombination aus Einzelradaufhängung vorn und einer Starrachse an Längs-Blattfedern hinten ist konsequent auf die oft mangelhaften Straßenbeläge zwischen Ostsee und Erzgebirge abgestimmt. Mit der staatlich festgelegten Nutzlast von 209 kg liegt der Wagen erstaunlich ruhig und filtert grobe Schläge gut heraus. Geht man jedoch zu forsch in die Kurve, schiebt der Berliner im 20-Meter-Radius mit einem Querbeschleunigungswert von 0,598g spürbar über die Vorderräder. Der frontgetriebene KFZ P70 liegt hier aufgrund seiner Gewichtsverteilung einen Hauch stabiler in der Spur.
Sorge bereitet uns nach wie vor die Bremsanlage. Obwohl vorn Duplex-Trommeln zum Einsatz kommen, steht am Ende der Messung aus Höchstgeschwindigkeit ein Bremsweg von 60,8 Metern (Universal: 60,7 m) bis zum Stillstand im Protokoll. Das ist zwar eine leichte Verbesserung zum alten Typ 50, im internationalen Vergleich aber nicht mehr zeitgemäß. Das Bürgerauto Hummel verharrt dank modernerer Auslegung ein paar Meter früher. Kraftfahrer des Typ 51 müssen zwingend vorausschauend agieren – besonders im Anhängerbetrieb, wo der Berliner bis zu 209 kg ziehen darf.
Fazit: Ein ehrlicher Begleiter für den Siebenjahresplan
Mit dem Typ 51 „Spree“ liefert der VEB BAW ein solides, extrem sparsames und dank der Duroplast-Haut absolut korrosionsbeständiges Automobil ab. Für einen Anschaffungspreis von 11.500 M für den Standard (und 11.750 M für den geräumigen Universal) erhalten unsere Werktätigen einen treuen Gegenwert ohne kapitalistischen Luxus-Schnickschnack. Wenn die Zuteilungsstellen die Wartezeiten im Griff behalten, wird dieser Wagen das Straßenbild unserer Republik nachhaltig und positiv prägen.
Technische Daten im direkten Vergleich
| Kriterium | BAW Typ 51 „Spree Standard“ | KFZ P70 | Bürgerauto Hummel |
|---|---|---|---|
| Anschaffungspreis | 11.500 M | 9.950 M | ca. 4.300 DM (Import) |
| Antriebskonzept | Frontmotor / Frontantrieb | Frontmotor / Frontantrieb | Heckmotor / Heckantrieb |
| Motorart | 3-Zyl. Viertakt (Grauguss) | 2-Zyl. Zweitakt | 4-Zyl. Viertakt (Boxer) |
| Höchstleistung | 17,9 PS bei 4.200 U/min | 22 PS | 30 PS |
| Höchstgeschwindigkeit | 92 km/h | ca. 90 km/h | ca. 110 km/h |
| Testverbrauch | 5,54 l / 100 km | ca. 7,0 l / 100 km | ca. 7,5 l / 100 km |
| Eigengewicht | 530 kg | 800 kg | 730 kg |
| Kofferraumvolumen | 258 Liter (Universal: 1050 L) | ca. 250 Liter | ca. 130 Liter |
| Bremsweg (aus Vmax) | 60,8 Meter | ca. 58 Meter | ca. 48 Meter |







