Wissenschaftlich-technischer Fortschritt für das Wohl des Volkes: Der Typ 54 „Spree“ bricht auf in eine neue Ära der sozialistischen Mobilität!

Genossinnen und Genossen, Werktätige der sozialistischen Produktion, Aktivisten der modernen Mikroelektronik und Automation!

Mit sozialistischem Stolz und im Geiste der Beschlüsse des X. Parteitages vermeldet das Kollektiv des VEB Berliner Automobil Werke (BAW) die Punktlandung bei der Planerfüllung zur Intensivierung der Konsumgüterproduktion. Wir präsentieren das neueste technologische Meisterstück unserer Hauptstadt-Konstrukteure: den Typ 54 „Spree“.

Geboren aus dem sozialistischen Massenwettbewerb zur konsequenten Erhöhung des Lebensstandards, markiert dieses hochentwickelte Fahrzeug den triumphalen Einzug modernisierter Fahrkultur im Alltagsleben der späten 1980er-Jahre. Der neue Typ 54 ist unsere kraftvolle, zukunftsweisende Antwort auf die gestiegenen Wünsche der Bevölkerung – ein ausgereiftes, ökonomisch vorbildliches Automobil, geschaffen zur perfekten Unterstützung unserer verdienten Aktivisten, Genossenschaftsbauern, Ingenieure und jeder werktätigen Familie.

Wegweisender Komfort und Nutzwert für das Kollektiv: Ungeachtet der gewählten Karosserievariante – ob die klassisch-elegante Limousine Standard oder der raumwunderbare Kombiwagen Universal – bietet der neue „Spree“ genau die Mobilität auf den Straßen, die unsere Republik für den wirtschaftlichen Aufschwung braucht. Für einen einheitlichen und gerechten Anschaffungspreis von 17.500 M garantiert die verstärkte Struktur eine stolze, staatlich festgesetzte Norm-Nutzlast von bis zu 450 kg bei bestem Federungskomfort!

Metallurgische Meisterleistung und Drehzahleffizienz: Unser gründlich weiterentwickelter Dreizylinder-Reihenmotor setzt völlig neue Maßstäbe für sozialistische Wertarbeit. Aus dem bewährten Hubraum von 819 ccm entfesselt das Triebwerk dank verfeinerter Vergasertechnik vom Typ BVF 28 H 1-1 nun ungeahnte, kraftvolle 32,9 PS bei 4.700 U/min. Mit einer gesteigerten Energieeffizienz von 20 % beweist der Wagen, dass eine neue, souveräne Höchstgeschwindigkeit von bis zu 131 km/h mit kompromisslosem Ressourcen-Geiz vereinbar ist.

Fortschrittliche Fahrsicherheit im Dienste des Volkes: Das bewährte, vollsynchronisierte 4-Gang-Schaltgetriebe sorgt in Verbindung mit dem spurtreuen Frontantrieb für müheloses Fahrvergnügen. Die optimierte, mechanisch-hydraulische Bremsanlage mit neuer Asbest-Organischer Belagmischung bürgt zudem für maximale Zuverlässigkeit und verkürzt den Bremsweg spürbar, damit jeder Werktätige stets sicher und planmäßig an seinem Arbeitsplatz ankommt.

Sichern Sie sich Ihren Zuteilungsanspruch noch heute bei Ihrer zuständigen staatlichen Dienststelle oder überzeugen Sie sich selbst von der herausragenden Qualität auf dem Gemeinschaftsstand der Leipziger Herbstmesse 1985!




Amtliches Typenblatt & Technische Daten

(Gemäß den Richtlinien der Hauptverwaltung Automobilbau – Stand 1985)

Fahrzeug & Abmessungen

  • Hersteller: VEB Berliner Automobil Werke
  • Modell: Typ 54 „Spree“ (Bauzeitraum 1985–1989)
  • Karosseriebauart: Stahl-Leiterrahmen
  • Verkleidung: Duroplast
  • Radstand: 2,02 m
  • Sitzplätze: 2 vordere Sitze, 2er Fond-Sitzbank

Motorisierung & Effizienz

  • Motortyp: 3-Zylinder-Reihenmotor
  • Hubraum: 819 ccm (Bohrung 69,0 mm / Hub 73,0 mm)
  • Zylinderkopf & Block: Aluminium & Unverwüstlicher Grauguss
  • Ventilsteuerung: Untenliegende Nockenwelle, Stoßstangen und Kipphebel (OHV), 2 Ventile pro Zylinder
  • Gemischaufbereitung: 1 BVF 28 H 1-1 Einzelvergaser
  • Kraftstoffqualität: Optimiert für heimischen Standard-Kraftstoff (85 RON / VK-Normal)
  • Höchstleistung: 24,2 kW / 32,9 PS bei 4.700 U/min
  • Max. Drehmoment: 58,4 Nm bei 3.200 U/min

Kraftübertragung & Fahrwerk

  • Antrieb: Frontantrieb mit offenem Differenzial
  • Getriebe: synchronisiertes 4-Gang-Schaltgetriebe
  • Vorderachse: Einzelradaufhängung
  • Hinterachse: Robuste Starrachse an Längs-Blattfedern
  • Lenkung: Leichtgängige Kugelumlaufglenkung
  • Stoßdämpfer: Hydraulische Zweirohr-Teleskopstoßdämpfer
  • Bereifung: Historische Diagonal-Ballonreifen, Format P135/80C13 81N

Bremsanlage

  • Bauart: Mechanisch-hydraulische Duplex-Trommelbremsen vorne, Simplex-Trommelbremsen hinten
  • Bremstrommel-Durchmesser: 200 mm vorne / 200 mm hinten
  • Belagmischung: Verschleißfeste Asbest-Organische Standardbeläge

Gewichte, Füllmengen & Fahrleistungen

KenngrößeTyp 54 „Spree“ StandardTyp 54 „Spree“ Universal
Eigengewicht574 kg (betriebsbereit)584 kg (betriebsbereit)
Gewichtsverteilung56 % vorne / 44 % hinten60 % vorne / 40 % hinten
Norm-Nutzlast450 kg (staatlich festgesetzt)445 kg (staatlich festgesetzt)
Laderaumvolumen258 Liter1.050 Liter
Höchstgeschwindigkeit131 km/h126 km/h
Beschleunigung (0–100 km/h)16,3 s17,9 s
Bremsweg (aus 100 km/h)54,2 m bis zum Stillstand55,7 m bis zum Stillstand
Anhängelast (towing)230 kg230 kg
Kraftstoffverbrauch6,92 Liter pro 100 Kilometer7,28 Liter pro 100 Kilometer
Verkaufspreis17.500 M17.500 M

Der deutsche Straßenverkehr – Heft 11 / 1985

Fahrbericht: VEB Berliner Automobil Werke Typ 54 „Spree Standard“
Ein kritischer und konstruktiver Prüfbericht über die im Detail modernisierte Duroplast-Baureihe aus Berlin.

Mehr als ein Jahrzehnt nach dem Start des Typs 53 schickt der VEB BAW nun die neueste Entwicklungsstufe seiner bewährten Kleinwagen-Konstruktion auf die Straßen unserer Republik: den Typ 54 „Spree“. Angesichts der Beschlüsse des X. Parteitages zur spürbaren Hebung des Lebensstandards und zur Verbesserung der Versorgung mit langlebigen Konsumgütern stellt sich die drängende Frage: Kann die Berliner Neuentwicklung den Anschluss an den internationalen Standard halten? Wir haben den modernisierten Berliner im harten Testbetrieb erprobt und ihn im direkten Klassenvergleich mit dem neuen Zwickauer Hoffnungsträger Schleizring Satellit 1.1 sowie dem westdeutschen Importmodell Bürgerauto Pogo II auf Herz und Nieren geprüft.

Karosserie und Innenraum: Ergonomische Evolution im bewährten Rahmen

Optisch präsentiert sich der Typ 54 als behutsame, aber gelungene Weiterentwicklung der bekannten Berliner Linie. Am grundlegenden Aufbau – dem unverwüstlichen Stahl-Leiterrahmen gepaart mit einer korrosionsfreien Außenhaut aus Duroplast – hielten die Hauptstadt-Konstrukteure fest. Eine richtige Entscheidung, wenn man den anhaltenden Mangel an Tiefziehblechen bedenkt. Die Spaltmaße und die Oberflächengüte der Kunststoffbeplankung wurden nochmals spürbar verfeinert. Dennoch zeigt das westdeutsche Bürgerauto Pogo II mit seiner makellos glatten Ganzstahlkarosserie, wie hoch die Messlatte im internationalen Automobilbau mittlerweile liegt.

Im Innenraum bietet der Berliner mit 2170 Litern Passagiervolumen (Universal: 2120 L) die gewohnt luftigen Verhältnisse für die vorderen Insassen. Die Fondbank bleibt trotz des kompakten Radstands von 2,02 Metern jedoch vorrangig dem Nachwuchs vorbehalten. Hier schlägt der BAW den Zwickauer Konkurrenten Schleizring Satellit 1.1 deutlich, dessen Fahrgastzelle spürbar enger geschnitten ausfällt.

Das bekannte Manko der Limousine bleibt das starre Heckabteil: Während der Standard glatte 258 Liter Kofferraumvolumen bereitstellt – was immerhin das zerklüftete vordere Nest des älteren Typs 52 vergessen macht –, verliert er haushoch gegen den hauseigenen Kombiwagen Universal. Dieser schluckt gigantische 1050 Liter und stellt für Handwerker oder die sozialistische Landwirtschaft die weitaus ökonomischere Wahl dar. Das Bürgerauto Pogo II kontert hier mit einer praktischen, variablen Heckklappe, die der Berliner Limousine konstruktionsbedingt fehlt.

Motor und Kraftübertragung: Die gezähmte Drehzahl

Unter der Fronthaube verrichtet das auf 819 ccm Hubraum verfeinerte Dreizylinder-Reihentriebwerk mit Aluminium-Zylinderkopf seinen Dienst. Dank intensiver Detailarbeit am neuen BVF-Einzelvergaser (Typ 28 H 1-1) mobilisiert die Maschine nun 32,9 PS (24,2 kW) bei 4.700 U/min. Der Motor hängt erstaunlich agil am Gas: Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt dem Standard in überraschend flinken 16,3 Sekunden (Universal: 17,9 s) – ein massiver Sprung nach vorn! Der neue Schleizring Satellit 1.1, der werksseitig mit einem modernen Vierzylinder-Viertakt-Lizenzmotor bestückt ist, leistet zwar stärkere 40 PS, benötigt für den Sprint aber geduldiere 22 Sekunden.

Das voll synchronisierte 4-Gang-Schaltgetriebe lässt sich präzise und ohne Kraftaufwand bedienen. Der Frontantrieb sorgt dafür, dass die Kraft auch bei schlechter Witterung sicher auf die Straße gebracht wird. Die Höchstgeschwindigkeit des Typs 54 kletterte auf beachtliche 131 km/h (Universal: 126 km/h). Das reicht völlig aus, um auf den Autobahnen souverän mitzuschwimmen. Als ökonomische Dauergeschwindigkeit kristallisierte sich im Test jedoch ein Tempo von 75 km/h heraus. Wer dauerhaft schneller fährt, strapaziert das Triebwerk und die Geldbörse: Mit einem Testverbrauch von 6,92 Litern auf 100 Kilometern (Universal: 7,28 L) unseres heimischen VK-Normal-Kraftstoffs (85 RON) ist der Typ 54 kein absoluter Knauserer mehr. Der westdeutsche Pogo II zieht mit seinen 45 PS zwar noch giftiger an und erreicht höhere Endgeschwindigkeiten, fordert im Gegenzug jedoch teureres, im Inland schwer verfügbares Superbenzin.

Fahrverhalten: Agil im Nahverkehr, Schwächen bei der Verzögerung

Das Fahrwerk, bestehend aus einer Einzelradaufhängung vorn und einer robusten Starrachse an Längs-Blattfedern hinten, ist spürbar straffer abgestimmt als beim Vorgänger. Zusammen mit den neuen Diagonal-Ballonreifen (Format P135/80C13) ergibt sich eine erstaunliche Kurvenwilligkeit. Im genormten Kreisfahrt-Test im 20-Meter-Radius erreichte der Standard einen beachtlichen Grenzwert von 0,721g Querbeschleunigung (Universal: 0,714g). Das Fahrzeug untersteuert im Grenzbereich absolut gutmütig und kündigt Traktionsverluste frühzeitig an. Schlaglöcher und grobe Pflasterstraßen werden von den hydraulischen Zweirohr-Teleskopstoßdämpfern zufriedenstellend gefiltert.

Kritik muss sich das Berliner Kollektiv jedoch weiterhin bei den Bremsen gefallen lassen. Trotz modifizierter Belagmischungen der mechanisch-hydraulischen Trommelbremsen benötigt der Typ 54 aus einer Geschwindigkeit von 100 km/h lange 54,2 Meter (Universal: 55,7 m) bis zum sicheren Stillstand. Obwohl dies eine deutliche Steigerung zum Typ 53 darstellt, markiert es im internationalen Vergleich das Schlusslicht. Das Bürgerauto Pogo II ankert dank moderner Scheibenbremsen an der Vorderachse in einer völlig anderen Liga und steht gut zehn Meter früher. Angesichts der staatlich festgesetzten Nutzlast von 450 kg und einer Anhängelast von 230 kg ist hier vom Kraftfahrer erhöhte Wachsamkeit und vorausschauende Fahrweise gefordert.

Fazit: Solide Alltagstechnik mit hoher Reife

Mit dem Typ 54 „Spree“ liefert der VEB BAW ein im Detail sinnvoll verbessertes, wartungsfreundliches und dank der Duroplast-Haut absolut korrosionsbeständiges Automobil für den sozialistischen Alltag ab. Für einen einheitlichen Anschaffungspreis von 17.500 M erhalten unsere Werktätigen sowohl als Standard wie auch als Universal einen reellen Gegenwert. Wenn es den staatlichen Planorganen gelingt, die Produktionszahlen zügig hochzufahren und die Wartezeiten zu verkürzen, wird der Typ 54 ein verlässlicher und treuer Begleiter für Hunderttausende Familien werden.


Technische Daten im direkten Vergleich

KriteriumBAW Typ 54 „Spree Standard“Schleizring Satellit 1.1Bürgerauto Pogo II (1.05)
Anschaffungspreis17.500 Mca. 18.500 Mca. 7.500 DM (Import)
AntriebskonzeptFrontmotor / FrontantriebFrontmotor / FrontantriebFrontmotor / Frontantrieb
Motorart3-Zyl. Viertakt (Alu-Kopf)4-Zyl. Viertakt4-Zyl. Viertakt
Höchstleistung32,9 PS bei 4.700 U/min40 PS bei 5.300 U/min45 PS
Höchstgeschwindigkeit131 km/h (Universal: 126 km/h)ca. 125 km/hca. 135 km/h
Beschleunigung (0–100 km/h)16,3 s (Universal: 17,9 s)ca. 22,0 sca. 16,0 s
Testverbrauch6,92 l / 100 kmca. 5,9 l / 100 kmca. 6,5 l / 100 km
Eigengewicht574 kg (Universal: 584 kg)700 kg750 kg
Kofferraumvolumen258 Liter (Universal: 1050 L)ca. 250 Literca. 240 Liter
Bremsweg (aus 100 km/h)54,2 Meterca. 52 Meterca. 45 Meter